Seite auswählen

Folge 023 // Freie Projektleitung – Geld, Risiko, Planung [On The Road]

von | Sep 5, 2018 | 0 Kommentare

Frei und selbstbestimmt arbeiten und leben – ein Thema das immer mehr Menschen beschäftigt. Auch als freier Projektleiter kannst du diesem Lebensstil nachkommen. Worauf du achten musst, wenn du nicht mehr angestellt bist, sondern die freie Projektleitung für Unternehmen als Dienstleistung anbietest, erfährst du in dieser Episode. Ich spreche über Stundensätze, Vertragsformen, Struktur, Netzwerkaufbau, Risikohaftpflicht, Akquise und meinen neuen Kurs: Projektleiter-Ausbildung.

Hier findest du alle Episoden vom Podcast Projektmanagement leicht erklärt.

Shownotes

Projektleiter-Ausbildung:
Du willst zu den 5 bis 10 Prozent der top Projektleiter in Deutschland gehören? Dann ist meine Projektleiter-Ausbildung genau das Richtige für dich. Schreibe mir eine E-Mail an: training@benjamin-michels.de

Alles zum Thema Stakeholdermanagement
… der richtige Umgang mit den für dein Projekt wichtigen Menschen, findest du in diesem Blogbeitrag.

Werde mein Podcast-Gast!
Sei mein Gast und nutze deine Chance für eine offene Beratung! Stelle deine Fragen live in meinem Podcast und erhalte sofort Antworten und Lösungen für dein erfolgreiches Projektmanagement. Du möchtest dabei sein? Dann schreibe mir eine E-Mail an: podcast@benjamin-michels.de
_____
• Eine kostenlose Beratung kannst du hier buchen.
• Du möchtest mehr über Projektmanagement lernen? Hier geht es zu meinem Kurs.
• Unterstützung vom Projektmanagement-Profi: Kostenlose Projektmanagement Community
• Hier findest du meinen YouTube-Kanal.
• Folge mir auf Facebook.
• Werde Mitglieder in meiner Facebook-Gruppe “Projektmanagement leicht erklärt”.

Episode 023: Freie Projektleitung – Geld, Risiko, Planung

Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Episode. Wir werden heute über „freie Projektleitung“ reden. Worauf du achten musst, wenn du nicht mehr angestellt bist – sondern deine Projektleitung als Dienstleistung für andere Unternehmen anbietest.

Freie Projektarbeit vs. Arbeit als Angestellter

Heute gibt es mal wieder einen Teil „On the Road“, weil ich auf dem Weg zum Seminar bin und die Zeit natürlich bestmöglich – mit dir – verbringen möchte.

Unser Thema heute ist die „freie Projektleitung“. Die meisten Projektleiter oder Leiterinnen, die ich kenne, arbeiten in einem Angestellten Modell. Das heißt, sie sind in einem Unternehmen angestellt und leiten für dieses Unternehmen Projekte – manchmal wissen sie auch gar nicht, dass sie Projektleiter oder Projektmanager sind.
Nun gibt es aber auch eine ganz eigene Berufsgruppe von Menschen, die freiberuflich Projekte leiten. Das heißt, die nicht angestellt sind, sondern zum Beispiel als Ein-Mann-Unternehmen für andere Unternehmen Projekte leiten. Das sind sogenannte „freie Projektleiter“. Das mag für viele erstmal verlockend klingen. Für den ein oder anderen vielleicht auch erschreckend. Ich werde heute einige Geheimnisse dazu lüften, da ich schon seit vielen Jahren als freier Projektleiter arbeite. Natürlich auch als Projektleiter in meinem eigenen Unternehmen. Wir haben aber auch immer wieder ausgewählte Kunden, für die wir Projekte realisieren.

Ausgewählte Kunden

Jetzt hast du eben schon den ersten Schlüssel gehört: „ausgewählte Kunden“. Wenn du als freier Projektleiter | freie Projektleiterin anfängst, dann wirst du wahrscheinlich alles nehmen, was dir unter die Finger kommt. Und das ist auch bedingt richtig. Denn es geht darum erstmal einen Fuß auf den Boden zu kriegen. Es geht darum anzufangen. Es geht darum zu üben. Das brauche ich nicht mehr. Ich wähle meine Kunden aus. Ich mache nicht für jeden Projekte. Ich mache nur da Projekte, wo ich der Meinung bin, dass eine relativ große Erfolgsquote möglich ist. Das heißt, ich übernehme Projekte, von denen ich glaube, dass sie erfolgreich sein werden. Denn anders macht es, bei Kundenprojekten, meiner Meinung nach, keinen Sinn. Wenn wir schon vorher wissen, dass das wahrscheinlich nichts wird, dann sollten wir das auch nicht machen – das wäre eine schwachsinnige Entscheidung.

Struktur

Als freier Projektleiter | freie Projektleiterin brauchst du, meiner Meinung nach, nochmal deutlich mehr Struktur als du so schon hast. Das fängt schon alleine mit Dateimanagement und Dokumentation an. Denn du bist nicht mehr Teil des Unternehmens. Du bist ein außenstehender Fremdkörper. Und als außenstehender Fremdkörper musst du dich selbst so hervorragend strukturieren, dass deine Struktur sich auf die anderen überträgt.

Netzwerk

Du brauchst nicht nur Struktur, sondern du musst es auch schaffen innerhalb kürzester Zeit erfolgreich ein Netzwerk zu etablieren und erfolgreich mit den Stakeholdern zu kommunizieren. Denn du greifst ja genau nicht darauf zurück, was du im eigenen Unternehmen hast – dieses Netzwerk und die schon bereits erfolgreiche Kommunikation mit den Stakeholdern. Das alles hast du nicht und musst es innerhalb kürzester Zeit neu etablieren.
Wie kannst du es denn innerhalb kürzester Zeit etablieren? Das ist eine Frage, die du dir selbst stellen musst. Und ich glaube das ist nichts, was man mit einmal beantworten kann. Das ist ein dauerhafter Verbesserungsprozess. Sich zu überlegen: was kann ich anders machen? Wie analysiere ich die Stakeholder? Wie gehe da generell an die Stakeholder ran?

Wenn du neu im Thema Projektmanagement bist, vielleicht einmal kurz gesagt: Stakeholder sind sogenannte Anspruchsgruppen. Das heißt, das können Menschen sein, die einen Anspruch auf das Projektergebnis haben oder generell auf das Projekt, die vom Projekt betroffen sind. Oder vielleicht auch Teil des Projektes sind. Es gibt ganz, ganz unterschiedliche Einzelpersonen oder aber auch Gruppen – wie ganze Abteilungen zum Beispiel – die an Projekten interessiert sind und die dann für das Projekt relevante Stakeholder – also Anspruchs- oder auch Bezugsgruppen sind.

Risiko

Was man auch nicht vergessen darf, ist das Risiko. Als Angestellter Projektleiter bist du natürlich über dein Unternehmen Risiko gedeckelt. Das heißt, du hast einen Anstellungsvertrag und dadurch trägt das Hauptrisiko im Grunde dein Unternehmen. Wie die genaue rechtliche Konstellation ist, könnte man dann nochmal einzeln genauer mit deinem Anwalt beleuchten, aber ich weiß jetzt aus den letzten zwanzig Jahren keinen Fall von internen verklagten Projektleitern. Mit Externen jedoch sieht das wieder ganz anders aus. Du bist einem gewissen Risiko ausgesetzt und du solltest eine Unternehmerhaftpflicht haben. Also eine Haftpflichtversicherung, die für Organisationsprojekte oder Veränderungsprojekte greift. Das ist meiner Meinung nach äußerst essenziel. Das kostet nicht die Welt – je nach Thema zwischen 50 und 150 Euro im Monat. Mag am Anfang viel klingen, aber in Wirklichkeit ist es im Rahmen einer Selbständigkeit nicht viel. Und das sollte, meiner Meinung nach, auf jeden Fall sein um die Risiken abzufangen, die da grundsätzlich im Projekt möglich sind. Du kannst das Ganze natürlich auch durch eine Körperschaft deckeln indem du eine GmbH oder du eine UG gründest – das sind haftungsbeschränkte Gesellschaften. Auch das ist potenziell möglich. Aber trotzdem kann es sich durchaus anbieten auch hier eine Haftpflichtversicherung zu haben.

Akquise

Ein weiterer großer Unterschied ist, dass du im Unternehmen Projekte automatisch zugeschoben bekommst. Das heißt, da müssen keine großen Entscheidungen getroffen werden. Du machst eins fertig und bekommst das Nächste. Oder bekommst noch parallele das Nächste. Da gibt es die Strukturen. Als freie Projektleitung sieht das nochmal ganz, ganz anders aus. Weil du akquirieren musst. Das heißt, ein relevanter Teil – und ich sag jetzt mal 10 bis 20 Prozent der Arbeit – müssen in Akquise gesteckt werden. Wenn du dich also von heute auf morgen entscheidest, du möchtest als freier Projektleiter | freie Projektleiterin arbeiten, dann müsstest du rein theoretisch von diesen 40 Stunden, die dann zur Verfügung stehen, mindestens 8 bis 16 Stunden pro Woche in die Akquise stecken. Und Projekte sind, in der Regel, wenn man den Aufwand anschaut, wie Glocken. Das heißt, am Anfang ist relativ wenig Aufwand – dann in der Mitte explodiert der Aufwand de facto – und je mehr das Projekt zum Ende kommt, desto geringer wird der Aufwand. Das kannst du natürlich, durch gute Projektplanung ein bisschen verschieben. Das heißt, dass am Anfang der Aufwand bisschen größer ist und in der Gesamtsumme ist er dann später kleiner – wenn du gutes Projektmanagement machst. Aber die Kurve greift trotzdem, dass meistens nicht zum Projektende der meiste Aufwand stattfindet. Vielleicht der meiste Stress. Aber nicht der meiste Aufwand. Der ist irgendwo in der Projekt Mitte. Aber auch das hängt am Ende ein bisschen vom Projekt ab.
Und was hat das jetzt mit Akquise zu tun?

Die Herausforderung ist, dass du anfangen musst zu akquirieren, wenn dein Projekt auf dem Zenit steht.

Wenn du noch mitten im Auftrag steckst und noch Geld gesichert hast für die nächsten ein, zwei, drei Monate, dann musst du schon wieder in der Akquise stecken. Denn gerade in der Projektvergabe, dauert es einfach bis du diese Projekte kriegst. Und drei Monate ist da eigentlich ein sehr sehr kurzer Zeitraum. Ich habe Projekte, die stehen sechs oder zwölf Monate vorher fest, bevor die gestartet werden. Und das ist eine Herausforderung. Das ist schon für viele Unternehmer, also Einzelunternehmer, Solopreneure oder grundsätzlich auch Selbstständige schwierig dieses Thema Akquise wirklich im Blick zu haben. Neuakquise, neue Projekte heran zu kriegen. Aber in der Projektleitung gilt nochmal viel mehr. Im Endeffekt, wenn du mega viel zu tun hast, durch das Projekt, dann muss schon die Akquise weiter gemacht werden, damit sich an das Projekt direkt das Nächste anschließen kann – oder du sogar mehrerer Projekte gleichzeitig leiten kannst. Und das schaffst du am Ende auch wieder nur, jedenfalls meiner Meinung nach, über ein gutes Netzwerk. Das heißt, kalt auf irgendwelche Unternehmen zuzugehen und zu sagen „Hier. Ich manage eure Projekte“, da sehe ich die Erfolgswahrscheinlichkeit bei weit unter einem Promille. Also von tausend Unternehmen, die du ansprichst – vielleicht musst du zwei, dreitausend Unternehmen ansprechen, so dass das klappt. Das heißt, am Ende wird das meiner Meinung nach nur über Netzwerkaufbau funktionieren. Du gehst auf Unternehmen zu, die du vielleicht irgendwo kennen lernst, wo ein persönlicher Kontakt besteht und fragst wie deren Projektwelt so ist, was die so machen und dann machst du Visionen auf. Du erklärst wie man welches Projekt managen könnte, wie man das erfolgreich durchziehen könnte. Du pflanzt im Grunde eine Vision in die Köpfe der Leute. Das sie sagen: „Also eigentlich würden wir das Projekt gerne mit Peter Paul umsetzen“. Nehmen wir an, du wärst Peter Paul. Und das ist der Schlüssel – das ist jedenfalls mein Erfolgsschlüssel. Denn ich habe ein großes Netzwerk an Unternehmern, ich unterhalte mich immer wieder mit vielen Leuten und dann frage ich was die so machen, was ansteht. Und irgendwann sage ich: „Das klingt ja interessant, das könnte man ja total spannend aufsetzten und das wäre wahrscheinlich innerhalb von zwei, drei Monate erfolgreich“ – oder sechs oder zwölf, je nachdem was es dann ist. Und dann erzähle ich so ein bisschen und pflanze in die Köpfe der Leute eine Vision wie das Projekt, was die da vorhaben, aussehen könnte. Und ab einem bestimmten Punkt wird ihnen klar, dass sie diese Vision nur mit mir realisieren können. Wenn du das hinkriegst, dann hast du es. Und das braucht aber auch Zeit. Wir gehen, gerade in der Akquise, davon aus, dass erst der zehnte Kontakt zu einem Abschluss führt. Der zehnte Kontakt – das musst du immer mit einkalkulieren. Wenn du jemanden einmal pro Monat triffst, dann brauchst du zehn Monate bis diese Person mit dir zusammenarbeiten wird.

Werkvertrag vs. Dienstvertrag

Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Thema. Denn es macht einen Unterschied ob du ein Werk- oder einen Dienstvertrag anbietest. Wichtig ist du kriegst jetzt keine Rechtsberatung von mir, ich teile dir nur mein Verständnis mit.

Ein Werkvertrag bedeutet, dass du am Ende ein ganzes Werk schuldest. Das heißt, es gibt vielleicht ein Lastenheft oder ein Pflichtenheft. Es ist irgendwo ein Ergebnis definiert. Und du wirst für das Ergebnis bezahlt. Das bedeutet im Rückkehrschluss, wenn du dieses Ergebnis nicht lieferst, wirst du nicht bezahlt. Und an der Stelle ist schon vollkommen klar: für eine Projektleitung bietet sich ein Werkvertrag überhaupt nicht an. Also in nahezu jedem Fall ist es dumm, Projekte in Form eines Werkvertrags abzuschließen. Nicht für den Auftraggeber – da ist der Werkvertrag die klügste Wahl. Aber für den Auftragnehmer, der du ja dann in dem Fall bist. Weil du einfach den Projekterfolg, gerade wenn das Projekt bei Dritten läuft, nicht garantieren kannst. Und das ist etwas, was du dir immer bewusst sein musst: du kannst Projekterfolg nicht garantieren. Es gibt eine große Scheiter Wahrscheinlichkeit, selbst wenn du sagst das Projekt ist sicher – dann gibt es immer noch eine übermäßig große Scheiter Wahrscheinlichkeit. Und das wäre dumm das über einen Werkvertrag zu machen.

Die bessere Variante hier ist ein Dienstvertrag. Das heißt, du schuldest eine Stundenleistung. Und diese Stundenleistung wird in Euro vergütet. Du hast also deinen Stundensatz. Und ihr kalkuliert das Projekt mit grob 100 Stunden. Jetzt sagst du bei 80 Stunden an den Auftraggeber: „Lieber Auftraggeber, das Projekt ist viel umfangreicher geworden. Ich schaffe es nicht mit 100 Stunden. Wir brauchen 120.“
Und dann gibt er sie frei oder er gibt sie nicht frei. Und wenn er sie nicht frei gibt, dann wird das Projekt halt nicht fertig. Das klingt jetzt natürlich kacke: das Projekt wird nicht fertig. Aber am Ende geht es darum dich zu schützen. Denn wenn du fünf Monate in einem Projekt steckst und dann kein Geld kriegst, weil das Werksergebnis nicht passt. Nur weil das Projekt vielleicht von der Gegenseite gar nicht genug supportet wurde, dann ist das natürlich das Worst-Case-Szenario. Und das tritt erstaunlich oft ein. Ich würde sagen, von den Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite – und da wähle ich ja schon fein aus – liefern 50 Prozent mir nicht die Sachen, die ich brauche, um das Projekt erfolgreich durchsetzen zu können. Wir kriegen es meistens trotzdem erfolgreich hin. Aber wir hatte auch genau deswegen schon Projektabbrüche, weil einfach nicht geliefert wurde von Auftraggeber Seite.
Dementsprechend ist für mich auf jeden Fall die Form der Wahl der Dienstvertrag.

Der finanzielle Bereich

Die Herausforderung für einen freien Projektleiter ist, die finanzielle Planungssicherheit. Das heißt, du kriegst große Summen, wenn das Projekt läuft und gar nichts, wenn kein Projekt läuft. Du musst also entsprechend kompensieren, dass es diese Leerräume zwischendurch gibt. Und dafür musst du natürlich einen angemessenen Stundensatz nehmen. Angemessen ist immer relativ, weil das immer von Branchen, Bereich und Unternehmen anhängt. Realistische Sätze für Projekttätigkeiten sind 60 bis 120 bis hin zu 200 Euro pro Stunde. Das kann auch mal in Richtung 300 Euro gehen. Dann bist du aber deutschlandweit bekannter Projektleiter in einem sehr spitzen Bereich, wo es vielleicht keinen anderen Experten gibt. Ansonsten liegen die typischen Wald und Wiesen freien Projektleiter, die es jetzt auch nicht unendlich wie Sand am Meer gibt, zwischen 60 und 120 Euro pro Stunde. Das ist ein durchaus realistischer Satz. Jetzt würde sich rein theoretisch das gesamte Selbstständigkeitsgespräch noch anbieten: welche Stundensätze brauchst du um leben zu können? Da gibt es unterschiedliche Kalkulationen. Im Grunde findest du Freelancer da draußen in allen Preisbereichen. In der Projektleitung solltest du nicht unter 80 Euro pro Stunde arbeiten. Vielleicht wenn du eine große Zusicherung an Projekten hast, gehen auch 60 Euro pro Stunde. Aber du musst einfach davon ausgehen, dass es immer große Lücken zwischen den Projekten geben wird. Und dann ist das einfach unrealistisch, dass du mit einem 60 Euro Stundensatz leben kannst. Deswegen auf jeden Fall die Empfehlung: einen 80 Euro Stundensatz oder bis rauf zu 100 Euro. Wenn du allerdings der Einzige bist in Deutschland, der das kann – dann kannst du natürlich auch höhere Stundensätze durchsetzen.

Manchmal habe ich das, das die Leute dann hören: „Dann kann ich ja 80 Euro pro Stunde durchsetzen. Dann bin ich ja jetzt schon reich.“ Nee. Du musst natürlich die ganzen Selbständigen Themen bedienen. Wie Krankenkasse oder Rücklagen. Natürlich ist das ein Bereich, in dem du sehr gut Geld verdienen kannst. Du musst aber Akquise machen. Reich wirst du nur, wenn du genug Kunden akquirierst. Das ist die große Herausforderung. Ohne Kunden bringt dir auch der höchste Stundensatz nichts – weil einfach niemand da ist, der ihn bezahlt.

Am Ende verkaufst du über Selbstdarstellung

Zu der Akquise gehört es sich selbst verkaufen zu können. Das heißt, du musst das Standing haben bei einem Konzern in ein Meeting mit zehn Leuten zu gehen, die dich kennen lernen wollen. Und dann auch entsprechend performen. Wenn du noch nicht dieses Standing hast in solche Situationen zu gehen – dann musst du das unbedingt üben. Denn am Ende verkaufst du über Selbstdarstellung. Und damit meine ich nicht, dass du jetzt damit prahlst was für ein toller Typ du bist und wie groß deine Muckis sind. Sondern dass du es schaffst, dich optimal zu verkaufen. Und das ist je nach Projektart und Typus natürlich ein kleines bisschen unterschiedlich. Ich für meinen Teil sehe das so, dass ich ein Gefühl von Sicherheit verkaufe. Das heißt, die andere Seite ist der Meinung, dass die Projekte mit mir höchstwahrscheinlich erfolgreicher werden als wenn sie sie Intern umsetzen würden. Und dieses Gefühl verkaufe ich im Gespräch. Auf Basis dieses Gefühls kommt dann ein Abschluss zu Stande. Und das ist das, was man verstehen musst. Es kommt nicht der Abschluss wegen Euro zu Stande – gerade nicht in der Projektleitung. Wenn du ein Projekt für 100.000 Euro machst, und selbst dafür 10.000 Euro kriegst für die Projektleitung – dann geht es nicht darum ob du 10.000, 8.000 oder 12.000 Euro kriegst. Es geht darum, ob das Unternehmen der Meinung ist, dass du es schaffst ein Projekt mit einem Budget von 100.000 Euro erfolgreich umzusetzen. Das muss dir immer bewusst sein. Einzig und alleine darum geht es. Nicht um deinen Stundensatz.

Ein Netzwerk aus Freelancer

Was auf jeden Fall noch vorteilhaft ist, wenn du ein Netzwerk aus Freelancer hast, die du in solche Projekte involvieren kannst. Die musst du dann aber Führen. Das hängt natürlich auch davon ab, was das für Projekte das sind. Wenn das jetzt Kraftwerkaufbauten sind, dann ist es unwahrscheinlich, dass du da mit einem Freelancer Netzwerk weiterkommst. Wenn das Projekte sind, wie Veranstaltungen von Messen und ähnliches, dann kann das mit Freelancern schon sehr gut funktionieren. Hier natürlich der Schlüssel: die müssen einen niedrigeren Stundensatz haben als du. Damit du an der durchgeleiteten Stunde auch noch etwas verdienst.

Changemanagement

Es gibt noch eine Sache, vor der ich einfach warnen möchte. Das habe ich ganz zum Eingang schon gesagt: du bist ein Fremdkörper, wenn du solche Projekte machst. Das heißt, du kommst von außen. Gerade wenn das Veränderungsprojekte sind, dann wird dich an viele Stellen das „Not-invented-here-Syndrom“ treffen. Das heißt, du bist von außen gekommen und hast deine Idee von außen mitgebracht. Dadurch ist die Idee schon einmal nichts mehr wert, weil sie ja von außen kommt. Das sind typische Wandelwiderstände. Es empfiehlt sich also auf jeden Fall einiges über Change und Changemanagement zu wissen, um solche Projekte machen zu können. Ich würde sagen, in acht von neun Projekten bin ich mit genau diesen Herausforderungen konfrontiert. Ich komme von außen. Ich bin nicht Teil der Unternehmenskultur. Ich sehe vielleicht auch Dinge in der Kultur, die vielleicht ekelig oder schlecht sind. Und die Angestellten im Unternehmen sehen die aber gar nicht mehr – weil das Teil ihrer Kultur ist und sie daran gewöhnt sind. Das ist einfach schwierig – Projekte als Außenstehender zu leiten. Weil du nicht Teil des Ganzen bist. Das ist auf Objektiver, Strategischer Ebene natürlich super wertvoll. Aber auf der direkten Führungs- und Projetleitungsebene unheimlich schwer. Und das muss man sich immer wieder bewusst machen: hier hilft im Grunde nur ein großes Wissen über Unternehmenskultur, eine hohe Empathie, das Eingehen auf Menschen, sich in den richtigen Momenten Zeit zu nehmen. Und natürlich auch ein sehr umfangreiches Wissen und Erfahrung zum Thema Veränderungsprojekte und wie man diese mit Menschen möglichst erfolgreich umsetzen kann.

Die Projektleiterausbildung

Bei mir geht in wenigen Wochen die große Projektleiter-Ausbildung an Start. Das heißt ich werde ein 1-Jahres-Programm veröffentlichen. Das auf dem basiert, was ich jetzt seit vielen Jahren in den Seminarräumen unterrichte. Das wird größtenteils virtuell stattfinden – man kann von überall daran teilnehmen. Warum sage ich das jetzt? Weil ein ganz wichtiger Aspekt darin unter anderem Changemanagement ist. Weil ich der Meinung bin, wenn du zu den 5 bis 10 Prozent Top Projektleitern in Deutschland gehören möchtest, dann gibt es einfach Sachen, die du Wissen und Können musst. Dazu gehört auch der Umgang mit Veränderungsprojekten. Und als freier Projektleiter bist du damit nochmal viel mehr konfrontiert als als Angestellter. Bei Angestellten ist schon die Quote, meiner Erfahrung nach, zwischen 60 und 70 Prozent. Wirkliche Veränderungs- Change- Projekte – auch wenn die oft so leider gar nicht erkannt werden.

Wenn dich das Thema Projektleiter-Ausbildung interessiert und du zu den 5 bis 10 Prozent Top Performern gehören willst, dann schreibe mir gerne eine E-Mail. Dann erzähle ich dir ein bisschen was darüber und wir schauen ob das für dich eine interessante Option ist.
Ansonsten wenn du darüber nachdenkst freier Projektleiter zu werden, hast du jetzt einiges gehört:

  • Du brauchst Struktur.
  • Du musst dich mit den Risiken auseinandergesetzt haben.
  • Du musst Akquise machen.
  • Du solltest nach einem Dienstvertrag arbeiten.
  • Es geht am Ende darum dich selbst zu verkaufen.
  • Du musst die finanzielle Planungssicherheit beachten.
  • Du musst über dein Stundensatz Gedanken machen.
  • Du brauchst wahrscheinlich irgendeine Art von Netzwerk.
  • Und du musst dir immer bewusst machen: du bist der Fremdkörper, der in eine andere Kultur eindringt.

Und damit gehen auch Herausforderungen einher. Und natürlich auch Frustrationen. Das kann manchmal ganz schön hart sein. Und da brauchst du dann einfach auch ein dickes Fell.

Wenn du überlegst in die freie Projektleitung zu gehen, dann wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg. Ansonsten freue ich mich, dass du heute dabei warst. Wenn du sagst, die Episode war gut und die hat dir was gebracht, dann bewerte sie auf iTunes. Gib einen Daumen hoch und teile sie mit anderen Menschen. Denn mich motiviert es diesen Podcast weiter zu machen, wenn ich von euch oder von dir immer wieder so positives Feedback bekomme. Hilf‘ mir gerne den Podcast zu verbreiten. Damit noch mehr Projektleiter und Projektmanager davon profitieren können.

Vielleicht widmen wir uns in den nächsten Episoden und mal wieder den Standartthemen wie Risikoanalyse, Stakeholderanalyse oder Projektstrukturplanung.
Wenn du Themenwünsche hast, dann schreib mir eine E-Mail und ich werde sie auf jeden Fall berücksichtigen.
Ich danke dir für‘s Zuhören.
Mach’s gut und bis zum nächsten Mal.

Unterstützung für dich

Du möchtest mehr über Projektmanagement lernen? Dann nutze jetzt die Möglichkeit für ein kostenloses Strategiegespräch und ich werde dir zeigen, wie du deine Projekte erfolgreicher leiten kannst.

[thrive_leads id=’29856′]